Deutscher Bundestag stimmt für die Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch 24/02/2024
- Ana Cunha-Busch
- 23. Feb. 2024
- 3 Min. Lesezeit

VON AFP NEWS
Der Deutsche Bundestag hat am Freitag dafür gestimmt, den Besitz und den kontrollierten Anbau von Cannabis ab April zu legalisieren, trotz heftiger Einwände der Opposition und der Ärzteverbände.
Nach dem neuen Gesetz wird es möglich sein, bis zu 25 Gramm der Droge pro Tag für den Eigenbedarf über regulierte Cannabisanbauverbände zu beziehen und bis zu drei Pflanzen zu Hause zu haben.
Der Besitz und Konsum der Droge bleibt jedoch für Personen unter 18 Jahren verboten.
Mit diesen Änderungen wird Deutschland einige der liberalsten Cannabisgesetze in Europa haben und mit Malta und Luxemburg gleichziehen, die den Freizeitkonsum der Droge im Jahr 2021 bzw. 2023 legalisiert haben.
Auch die Niederlande sind seit langem für ihre liberalen Cannabisgesetze bekannt, aber in den letzten Jahren haben Teile des Landes damit begonnen, gegen den Verkauf an Touristen und Nicht-Einwohner hart durchzugreifen.
Im Vorfeld der Abstimmung rief Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Abgeordneten auf, das umstrittene Gesetz zu unterstützen, da "die derzeitige Situation in keiner Weise akzeptabel ist".
Die Zahl der Jugendlichen, die auf dem Schwarzmarkt erworbenes Cannabis konsumieren, sei in Deutschland stark angestiegen, sagte Lauterbach, der den Sozialdemokraten von Bundeskanzler Olaf Scholz angehört.
Nach Angaben des Deutschen Cannabis-Verbandes können Substanzen wie Sand, Haarspray, Talkumpuder, Gewürze oder sogar Glas und Blei in das auf dem Schwarzmarkt angebotene Cannabis gelangen.
Experten sagen auch, dass Marihuana mit Heroin oder synthetischen Cannabinoiden verunreinigt sein kann, die bis zu 100 Mal stärker sind als natürliche psychoaktive Cannabinoide.
Simone Borchardt von der Oppositionspartei CDU sagte jedoch, das neue Gesetz würde die Gesundheitsrisiken für junge Menschen nur erhöhen.
Sie warf den drei Parteien in Scholz' Regierungskoalition vor, "Politik für ihre Ideologie und nicht für das Land" zu machen.
Das Gesetz wurde auch von medizinischen Verbänden und Gesundheitsgruppen stark kritisiert.
Einige Experten haben davor gewarnt, dass Cannabiskonsum bei jungen Menschen die Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen kann, was zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie führt.
Ein dauerhafter Konsum wurde auch mit Atemwegserkrankungen und Hodenkrebs in Verbindung gebracht.
Thomas Fischbach, Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BKVJ), erklärte, dass die Ärzteverbände die Pläne weitgehend ablehnen.
"Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen wird zunehmen, weil solche Substanzen immer an Jüngere weitergegeben werden", sagte er der Zeitung Die Welt.
Dies könne schwerwiegende Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit junger Menschen haben, sagte er.
"Chronischer Cannabiskonsum macht dumm, um es mal so auszudrücken, und kann auch Psychosen verursachen."
Steffen Geyer, Direktor des Berliner Hanfmuseums, zeigte sich hingegen erleichtert über das Gesetz und sagte, Deutschland sei "ein Stückchen freier und toleranter" geworden.
"Dies ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer rationalen und wissenschaftlich fundierten Drogenpolitik", sagte er der AFP.
Das Cannabisgesetz war Gegenstand eines erbitterten Streits innerhalb der Koalition aus Scholz' Sozialdemokraten, den Grünen und der liberalen FDP.
In ihrem Koalitionsvertrag hatten sich die drei Parteien verpflichtet, weiter zu gehen und den Verkauf von Cannabis in Geschäften zu erlauben, was jedoch von der EU abgelehnt wurde.
Sie planen nun ein zweites Gesetz, um den Verkauf der Droge in Geschäften in bestimmten Regionen zu erproben.
Nach dem am Freitag verabschiedeten Gesetz können Einzelpersonen pro Tag genug Cannabis erwerben, um bis zu 75 Joints zu produzieren, je nachdem, wie viel davon konsumiert wird.
Allerdings gibt es auch eine Obergrenze von 50 Gramm pro Monat.
Die Cannabisvereine, die als "Cannabis Social Clubs" bezeichnet werden, sollen im Juli ihre Arbeit aufnehmen.
Bislang war der persönliche Konsum von Cannabis nach deutschem Recht auf Menschen mit bestimmten medizinischen Problemen beschränkt.
Der private Freizeitkonsum der Droge war verboten, obwohl die Polizei beim Besitz kleiner Mengen oft ein Auge zudrückte.
Die deutsche Öffentlichkeit ist geteilter Meinung über das neue Gesetz: Laut einer am Freitag veröffentlichten YouGov-Umfrage befürworten 47 Prozent die Pläne, 42 Prozent sind dagegen.
Von Femke COLBORNE und Marion PAYET





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